In Nordrhein-Westfalen fehlt es an zehntausenden Ausbildungsstellen. 136.400 Bewerbern standen im vergangenen Ausbildungsjahr nur 110.800 Ausbildungsstellen gegenüber - eine Lücke von 25.600 Stellen. Darauf verweist der heute veröffentlichte Arbeitslosenreport NRW der Freien Wohlfahrtspflege. Diese fordert die Landesregierung zum Handeln auf. "Wenn Angebot und Nachfrage nicht funktionieren, muss von öffentlicher Seite gegengesteuert werden", sagt der Paderborner Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig. "Zum einen gilt es, den Nutzen einer Ausbildungsabgabe ernsthaft zu prüfen. Zum anderen braucht es ausreichende und passgenaue ausbildungsvorbereitende und -begleitende Maßnahmen." Stattdessen geschehe aber das Gegenteil, kritisiert Lüttig. Denn die Zahl der Maßnahmen durch Agentur für Arbeit und Jobcenter ist laut Arbeitslosenreport stark rückläufig. Das sei das völlig falsche Signal, warnt Lüttig, der auch Vorsitzender des Ausschusses Arbeit/Arbeitslosigkeit der Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen ist.
In den Regionen des Erzbistums Paderborn standen rund 38.000 Bewerbern nur 31.000 gemeldete Ausbildungsstellen zur Verfügung. Eine Ausnahme bildeten die eher ländlichen Regionen. So wurden mehr Ausbildungsstellen als Bewerber in den Kreisen Paderborn, Minden-Lübbecke, Olpe, Soest sowie im Hochsauerlandkreis gemeldet.
Der Arbeitslosenreport NRW stellt fest, dass das Ausmaß der Angebotslücke weitaus größer ist, als es scheint. Denn um realistisch für alle Jugendlichen ein auswahlfähiges Angebot an Ausbildungsplätzen vorzuhalten, wäre ein Ausbildungsplatzüberhang nötig. Bereits in den 1970er-Jahren legte man dafür einen Richtwert von 12,5 Prozent fest. Demnach wäre im Erzbistum Paderborn für das vergangene Ausbildungsjahr erst bei einem Ausbildungsplatzangebot von rund 43.000 Stellen statt tatsächlich 31.000 von einer entspannten Lage am Ausbildungsmarkt zu sprechen.
Die anhaltende Ausbildungsplatzlücke führe dazu, dass der Anteil jugendlicher Arbeitsloser ohne Berufsabschluss steigt, warnt Diözesan-Caritasdirektor Lüttig. NRW-weit haben 68 Prozent der Arbeitslosen unter 25 Jahren keinen Berufsabschluss, 22 Prozent nicht einmal einen Schulabschluss. In den Regionen des Erzbistums Paderborn sind es rund 64 Prozent ohne Berufsabschluss und 20 Prozent ohne Schulabschluss. Gerade Jugendliche, die Probleme haben, einen Ausbildungsplatz zu finden bzw. eine Ausbildung erfolgreich abzuschließen, brauchten Unterstützung durch ausbildungsvorbereitende und ausbildungsbegleitende Maßnahmen, sagt Lüttig. Doch die Zahl dieser Maßnahmen ist stark zurückgegangen. Wurden in NRW 2012 noch knapp 28.000 ausbildungsbegleitende Maßnahmen gefördert, waren dies im Zeitraum von November 2015 bis Oktober 2016 nur noch knapp 18.750. Auch für die Regionen im Erzbistum Paderborn wurde in diesem Zeitraum ein Rückgang um 2.870 unterstützende ausbildungsbegleitende Maßnahmen verzeichnet.
Hintergrund "Arbeitslosenreport NRW":
Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den "Arbeitslosenreport NRW". Darin enthalten sind aktuelle Zahlen und Analysen für Nordrhein-Westfalen; Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Jede Ausgabe widmet sich einem Schwerpunktthema. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und SBGII-Hilfequoten, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit regionalen Zahlen können im Internet unter www.arbeitslosenreport-nrw.de heruntergeladen werden. Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut für Bildungs- und Sozialpolitik (IBUS) der Hochschule Koblenz. Ziel der regelmäßigen Veröffentlichung ist es, den öffentlichen Fokus auf das Thema Arbeitslosigkeit als wesentliche Ursache von Armut und sozialer Ausgrenzung zu lenken, die offizielle Arbeitsmarkt-Berichterstattung kritisch zu hinterfragen und dabei insbesondere die Situation in Nordrhein-Westfalen zu beleuchten.