"Die wirtschaftliche Grundlage für den Fortbestand der Mutter-Kind-Kliniken ist extrem gefährdet", sagt Verena Ising-Volmer, Referatsleiterin für Kur- und Erholungshilfen beim Diözesan-Caritasverband Paderborn. Grund für ihre Sorge ist die aktuelle Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums, den Rettungsschirm für Vorsorge- und Rehakliniken, der bis zum 31. Mai befristet war, nur noch bis zum 15. Juni zu verlängern und dann aufzulösen. "Eine Nachricht, die uns schockt", sagt Heinz-Georg Eirund, Vorstand des Caritasverbandes Brilon, der Träger der beiden Mutter-Kind-Kliniken im Erzbistum Paderborn ist. Mit der "ganz konkreten Lebenshilfe", die Familien in und nach der Pandemie-Zeit dringend benötigten, würden die Kliniken von Seiten der Politik allein gelassen, kritisiert er.
Auch die Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks, Anne Schilling, die für rund 70 Kliniken spricht, hält die Absicht des Bundesgesundheitsministeriums für "unzumutbar und unfassbar". Denn die Mutter-Kind-Kliniken kämpfen seit Beginn der Corona-Pandemie um ihre Existenz. Mit dem Rettungsschirm erhalten Kliniken für Corona-bedingte Einnahmeausfälle bisher Ausgleichszahlungen - ohnehin nur 50 Prozent. Auch das soll nun wegfallen. Eine Verlängerung sei "aufgrund des abflachenden Infektionsgeschehens nicht erforderlich", begründet das Ministerium. "Nicht nachvollziehbar", sagt Verena Ising-Volmer. Schließlich sei zur gleichen Zeit das Gesundheitsversorgungs- und Pflegeverbesserungsgesetz (GPVG) bis Ende 2021 verlängert worden, "weil das Pandemiegeschehen einen wirtschaftlichen Betrieb nicht ermöglicht", so die Begründung. Parallel dazu müsse logischerweise dann auch der Rettungsschirm für die Mutter-Kind-Kliniken bis Jahresende verlängert werden, sagt Ising-Volmer.
Verena Ising-Volmer, Referatsleiterin für Kur- und Erholungshilfen beim Diözesan-Caritasverband Paderborn. (Foto: cpd)
"Auch wenn aktuell die Inzidenzen sinken, die Pandemie ist ja nicht vorbei. Corona bleibt. Wir müssen weiterhin insbesondere die Kinder, die in unseren Kliniken immer mit aufgenommen werden, schützen", erklärt Verena Ising-Volmer. "Kinder werden in absehbarer Zeit noch keinen Impfschutz bekommen können, deshalb müssen in den Mutter-Kind-Kliniken alle Schutz- und Hygienekonzepte, Abstandsregeln, Verkleinerung von Therapie- und Wohngruppen und Testungen konsequent weiterlaufen, um das Risiko von möglichen Corona-Ausbrüchen und den Ausfall von Kurgängen in den Kliniken zu minimieren." Den Rettungsschirm aufzulösen bedeute, die Mutter-Kind-Kliniken in der Pandemie ihrem Schicksal zu überlassen und damit auch, Familien im Stich zu lassen, sagt Verena Ising-Volmer. Gerade in der aktuellen politischen Diskussion um die belastete Situation von Familien sei das "absolut unverständlich".
Info
Im Erzbistum Paderborn gibt es zwei Mutter-Kind-Kliniken: St. Ursula in Winterberg und Talitha in Bad Wildungen. Beide stehen in Trägerschaft des Caritasverbandes Brilon.