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Diskutierten Möglichkeiten der Kooperation von Caritas mit Unternehmen (von links): Christoph Eikenbusch (Diözesan-Caritasverband Paderborn), Karl-Hans Kern (CSR-Kompetenzzentrum der Caritas), Brigitte Mersch (IN VIA Paderborn), Thomas Kellermann (Caritasverband Arnsberg-Sundern), Anne Goeken-Schmidt (Goeken backen), Vivien Ziesmer (KiK) und Dr. Andreas Fisch (Kommende Dortmund). (Foto: cpd / Jonas) |
„Eigentum
verpflichtet“ – Eine alte Erkenntnis, die immer mehr Unternehmen unter neuem
Namen für sich entdecken: „Corporate Social Responsibility“ (CSR).
„Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung tragen Unternehmen, die freiwillig
Verantwortung in den Bereichen Ökonomie, Ökologie und Soziales übernehmen“,
erklärt Christoph Eikenbusch vom Diözesan-Caritasverband Paderborn. „Es gibt
viele Bereiche, wo wir als Caritas gut mit Unternehmen zusammenarbeiten und uns
gegenseitig Impulse geben können.“ Bei einem Praxisworkshop unter dem Motto
„Gemeinsam mehr bewegen“ im Sozialinstitut Kommende in Dortmund wurden aktuelle
Entwicklungen in der Zusammenarbeit von Caritas mit Unternehmen vorgestellt und
weitere Möglichkeiten der Kooperation ausgelotet.
Kleinere und mittlere, vor allem inhabergeführte Unternehmen hätten sich meist
schon lange ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gestellt, betonte Karl-Hans
Kern, Geschäftsführer des CSR-Kompetenzzentrums des Deutschen Caritasverbandes.
Der Grundsatz „Eigentum verpflichtet“, neudeutsch „CSR“, sei ein Grundpfeiler
der sozialen Marktwirtschaft und kein „Sahnehäubchen“ auf der Leistung eines
Unternehmens. „Unternehmen sind heute mehr denn je gezwungen, etwas für ihre
Mitarbeiter zu tun – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels“, betonte Kern. Bei
der Wahrnehmung dieser Verantwortung könnten Einrichtungen und Dienste der
Caritas helfen.
So berichtete Brigitte Mersch vom Caritas-Fachverband IN VIA Paderborn über
eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Bäckerei-Kette „Goeken backen“, die 51
Bäckereifachgeschäfte in den Kreisen Padeborn und Höxter betreibt. Vor allem
junge Mütter vermittelt IN VIA für eine Teilzeitausbildung. „Sehr erfolgreich“
verlaufe diese Kooperation, bestätigte Anne Goeken-Schmidt, die zurzeit sieben
Teilzeit-Auszubildende beschäftigt. Die Kandidatinnen seien von IN VIA gut
vorbereitet, die Abbrecherquote minimal. Vor Beginn der Ausbildung kläre man
alle Eventualitäten mit den Bewerberinnen: Was ist, wenn das Kind krank ist
oder die Kita Ferien hat? Gleichzeitig könne man die Arbeitszeiten flexibel an
die Bedürfnisse der Auszubildenden anpassen. Auch in anderen Bereichen tue man
viel, „damit es unseren Mitarbeitern gut geht und sie bei uns bleiben“, betont
Anne Goeken-Schmidt.
Vom CSR-Engagement der „KiK Textilien und Non-Food GmbH“ mit Sitz im
westfälischen Bönen berichtete Vivien Ziesmer. Der nicht unumstrittene Textildiscounter
mit über 3.200 Filialen in acht europäischen Ländern stelle etwa regelmäßig
seine Mitarbeiter frei für soziales Engagement an Ehrenamtstagen. In
Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz und der Deutschen
Knochenmarkspenderdatei DKMS spenden Mitarbeiter Blut und lassen sich
typisieren. In Bangladesch, einem der Haupteinkaufsmärkte von KiK und anderen
Textilhändlern, unterstütze man Kindertagesstätten, Schulen und mobile Arztstationen,
habe außerdem große Mengen an Waren in die Flutregionen gespendet. Mit diesem
Engagement gehe man aber nur zurückhaltend an die Öffentlichkeit. „Viel
wichtiger ist uns, schnell und unkompliziert zu helfen“, sagte Vivien Ziesmer.
Ein neues Projekt stellte Thomas Kellermann vom Caritasverband Arnsberg-Sundern
vor. Gemeinsam mit den Caritasverbänden Hamm und Soest wird in Kooperation mit
dem Unternehmensverband Westfalen-Mitte eine Telefon-Hotline zur betrieblichen
Sozialberatung vorbereitet. Mitarbeiter mittelständischer Unternehmen, die sich
keine eigenen Sozialarbeiter leisten können, könnten dort bei allen Fragen zu
Themen wie Pflege, Schulden, Erziehung oder persönlichen Problemen kompetente
Hilfe erhalten. „Bei komplexeren Problemen steht das ganze
Caritas-Hilfsnetzwerk im Hintergrund“, sagte Kellermann.
„Viel Potenzial“ für weitere Kooperationen von Caritas und Unternehmen sieht
Christoph Eikenbusch vom Diözesan-Caritasverband Paderborn. Neben Beratungsdienstleistungen
könnten Caritasverbände Unternehmen Hilfe bei der konkreten Umsetzung ihres
sozialen Engagements anbieten oder Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements für
Unternehmensmitarbeiter schaffen. „Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten“,
sagt Eikenbusch.
Der Praxisworkshop wurde vom Caritas CSR-Kompetenzzentrum in Partnerschaft mit
der Hyundai Motor Deutschland GmbH und in Kooperation mit dem
Diözesan-Caritasverband Paderborn sowie dem Sozialinstitut Kommende Dortmund
durchgeführt.