„Niemals aufgeben“: Als Fan des SC Paderborn 07 wurde Brigitte von Germeten-Ortmann zum Abschied mit einem Trikot des Vereins mit der Beflockung „VGO“ ausgestattet. Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig (links) und Thomas Obergassel als Vertreter der Abteilungsleiterkonferenz überreichten das Geschenk. (Foto: cpd/Sauer)
Der Diözesan-Caritasverband Paderborn hat die langjährige Leiterin der Abteilung Gesundheits- und Altenhilfe, Brigitte von Germeten-Ortmann, in den Ruhestand verabschiedet. Die gelernte Krankenpflegerin und Pflegepädagogin leitete seit dem Jahr 2000 zunächst das Referat Krankenpflegerische Dienste, seit 2003 war sie Abteilungsleiterin und damit zuständig für die katholischen Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Ausbildungsstätten sowie das Kur- und Erholungswesen. Der Vorstandsvorsitzende des Diözesan-Caritasverbandes, Diözesan-Caritasdirektor Josef Lüttig, würdigte das Engagement der scheidenden Mitarbeiterin, die mit ihrem Namenskürzel "vGO" im Gesundheits- und Pflegebereich auch über die Diözesangrenzen hinweg für "positive Bekanntheit und Kompetenz" stehe.
Die gebürtige Sauerländerin stand in den 20 Jahren ihrer Dienstzeit für die Entwicklung von innovativen Ansätzen, bei der sie es verstand, das Netzwerk der katholischen Träger aktiv einzubeziehen: Schon lange bevor 2020 die generalistische Pflegeausbildung Realität wurde, hat sie die Erprobung der gemeinsamen Ausbildung von Alten- und Krankenpflege in einem Modellprojekt in Ostwestfalen forciert. 2003 wurde dieses Projekt mit dem Robert-Bosch-Preis ausgezeichnet.
Im Ruhestand: Brigitte von Germeten-Ortmann, Leiterin der Abteilung Gesundheits- und Altenhilfe im Diözesan-Caritasverband. (Foto: cpd/Sauer)
Bundesweit bekannt wurde das Projekt CariFair, an dem sich inzwischen mehr als 20 Caritasverbände beteiligen. In Zusammenarbeit mit der Caritas in Polen werden dabei Frauen aus dem Nachbarland auf einen Einsatz in deutschen Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen vorbereitet und bei ihrer Arbeit begleitet. Die Frauen arbeiten zu festen tariflichen Bedingungen, u. a. mit Urlaubs- und Freizeitanspruch. Brigitte von Germeten-Ortmann ist es gelungen, die rechtlichen und praktischen Hürden in zähen Abstimmungsprozessen zu überwinden. Das Projekt wurde 2011 mit dem Menschenrechtspreis des polnischen Parlamentes ausgezeichnet. Weitere innovative Schwerpunkte ihrer Tätigkeit waren u. a. das Projekt German CIM, bei dem nach US-amerikanischen Vorbild katholische Krankenhäuser ein Instrument zur Weiterentwicklung ihres konfessionellen Profils erhalten sowie die Einführung einer integrierten Leitungsqualifizierung im Pflegebereich (ILQP).
Brigitte von Germeten-Ortmann engagierte sich in den katholischen Krankenhausgesellschaften auf Landes- und Bundesebene sowie in der Deutschen Krankenhausgesellschaft in zahlreichen Fachausschüssen zu Fragen von Personal und Organisation. Auf Landesebene regte sie innerhalb der Freien Wohlfahrtspflege besondere öffentliche Aktionen zum Internationalen Tag der Pflege an. Bis 2016 war die Pflegexpertin Mitglied im Landespflegeausschuss und engagierte sich im Begleitgremium des Sozialministeriums für die Umsetzung des neuen Pflegeberufegesetzes. Auf Diözesanebene war sie u. a. Gründungsmitglied des Ethikrates im Erzbistum Paderborn.
Von der Pflegepolitik wünscht sich Brigitte von Germeten-Ortmann für die Zukunft vor allem eins: "Wir brauchen dringend Vertrauen in das Verantwortungsbewusstsein der Pflegenden und der Verantwortlichen auf Seiten der Träger." Eine Abkehr von der gegenwärtigen Misstrauenskultur, die u. a. Pflege mit zeitraubender Bürokratie überziehe, werde letztlich auch den Pflegeberuf attraktiver machen, ist sie sich sicher.