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Margret Wulf aus
Paderborn-Elsen (rechts) ist froh über die Unterstützung durch Alicja
Roszczyniala (22) |
Im Erzbistum Paderborn sind die ersten Haushaltshilfen aus
Polen im Rahmen eines deutsch-polnischen Caritas-Projektes im Einsatz. Der neue
Service richtet sich an Patienten von Caritas-Sozialstationen, die rund um die
Uhr Betreuung benötigen. So wie Margret Wulf aus Paderborn-Elsen. Nach zwei
Schlaganfällen ist die allein stehende 72-Jährige froh, in Alicja Roszczyniala
(22) eine junge Frau gefunden zu haben, auf die sie sich 24 Stunden am Tag
verlassen kann. „Ich gebe meine Alicja nicht mehr her“, ist Frau Wulf
glücklich, endlich die passende Person gefunden zu haben, die ihr gemeinsam mit
der Caritas-Sozialstation ein selbstständiges Leben in den eigenen vier Wänden
ermöglicht. Nach negativen Erfahrungen mit einer polnischen Haushaltshilfe in
der Vergangenheit hatte sie die Hoffnung fast schon aufgegeben.
Dass dieses Verhältnis für beide Seiten gewinnbringend ist, gehört zum Kern des
Projektes. Die Caritas ist dabei nicht Vermittlungsagentur, sorgt aber in einem
ersten Schritt dafür, dass Kontakte hergestellt werden. Im Fall von Frau Wulf,
die Bedarf bei der Caritas angemeldet hatte, kooperiert der zuständige
Caritas-Verband Paderborn mit der Caritas in der polnischen Stadt Graudenz
(Grudziadz). Die dortige Caritas bereitet interessierte Frauen mit Beratung und
einem Sprachkurs auf einen möglichen Einsatz in deutschen Pflegefamilien vor.
Bei Bedarf kann vorab ein Kennenlern-Treffen bei der zu betreuenden Person in
Deutschland stattfinden, um festzustellen, ob man überhaupt zueinander passt.
Wenn dies der Fall ist, beginnt der bürokratische Teil. Die deutsche Familie
muss bei der Auslandsvermittlung der Bundesagentur für Arbeit die polnische
Haushaltshilfe anfordern. Die deutsche Familie schließt dann einen
Arbeitsvertrag mit der Frau, wird also Arbeitgeber. „Der Papierkrieg ist nicht
zu unterschätzen“, gibt Hans-Werner Hüwel, Fachbereichsleiter beim
Caritas-Verband Paderborn zu bedenken. Noch immer bestünden bürokratische
Hürden. Doch: „Wir unterstützen nach Kräften die Familien bei allen
Formalitäten.“ Der Aufwand lohnt sich, schützt er doch die Frauen vor
Illegalität und Ausbeutung, garantiert tarifliche Bezahlung und
Urlaubsanspruch.
Die Caritas sorgt in Deutschland dafür, dass eine Pflegekraft der Sozialstation
mindestens einmal in der Woche weiterhin in die Einsatzfamilie kommt, um sicherzustellen,
dass z. B. keine unbeabsichtigten Pflegefehler entstehen. Hüwel: „Dies ist ein
weiterer Schutz für den Betreuten und die Betreuerin.“ Hierfür haben die am
Projekt beteiligten Caritasverbände verbindliche Standards entwickelt. Der
polnischen Caritas ist es wichtig, dass die Frauen Kontakt zu ihren Herkunftsfamilien
halten (z. B. über Internet-Telefon) und auch religiöse Angebote wahrnehmen
können. In Polen selbst hat die Caritas einen Blick auf die Herkunftsfamilien –
man will so vermeiden, dass Kinder während der Abwesenheit der Mutter
vernachlässigt werden.
Dass dieses bundesweit beachtete Projekt funktioniert, davon konnten sich jetzt
Vertreter der Caritas aus Graudenz unter Leitung von Direktor Marek
Borzyszkowski in Paderborn überzeugen. In den beiden Einsatzfamilien erhielt er
von den Frauen durchweg positive Rückmeldungen. Lediglich das Sprachtraining
müsse noch praxisbezogener werden, gab Alicija dem Caritas-Direktor als Verbesserungsvorschlag mit auf den Weg. Doch bei Familie Wulf ist dies das
geringste Problem: „Wir üben hier jeden Tag, Wort für Wort“, meint Margret
Wulf.