Diözesan-Caritasdirektorin Esther van Bebber und Landrat Christoph Rüther tauschten sich im Rahmen einer Bußandacht im Paderborner Dom über den Umgang mit Krisen aus.(Foto: cpd)
"Die Krise managen" - diese Aufgabe beschäftigt Diözesan-Caritasdirektorin Esther van Bebber und Paderborns Landrat Christoph Rüther seit nunmehr drei Jahren. Nachdenklich reflektierten sie unter diesem Titel bei einem "Rendezvous im Dom", einer Dialogpredigt im Rahmen einer Bußandacht im Paderborner Dom, den persönlichen Umgang mit der scheinbaren Dauerkrise. Beide waren zu Beginn der Corona-Pandemie in ihre jeweilige verantwortliche Position gekommen. "Es war immer Krise, ich kenne es gar nicht anders", sagt Rüther. Bei aller negativen Herausforderung würden Krisen aber auch den Blick auf Lichtblicke ermöglichen, meint van Bebber. So müsse man die Krise nicht allein managen, sondern habe Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter an der Seite. Jede Krise habe daher auch positive Seiten, aus denen man Hoffnung schöpfen könne. Als Juristin wisse sie besonders zu schätzen, "dass wir in einem festen Rechtsstaat leben, einem starken Sozialstaat", der "nicht den schlechtesten Rahmen" für eine Krise bilde.
In gewisser Weise sei Caritas "schon immer" im Krisen-Management tätig. "Not sehen und handeln - das ist unser Kerngeschäft", sagt van Bebber. Dennoch habe man in den vergangenen Jahren "eine Menge gelernt und zu eigen gemacht". Problematisch sei, dass man in der aktuellen "Krisenspirale" nicht mehr in den Normalzustand komme. "Das erschöpft und ermüdet die Menschen." Viele Menschen, die die Caritas begleite, seien angesichts der aktuellen Inflation und Energiekrise besonders herausgefordert. "Viele können ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen."
Besonders betroffen macht Landrat Christoph Rüther aktuell die Situation nach dem Erdbeben in der Türkei und Syrien - vor allem auch angesichts der vielen türkischen und syrischen Staatsangehörigen, die im Kreis Paderborn leben. Gleichzeitig mache ihn die Hilfs- und Spendenbereitschaft der Menschen im Kreis stolz. Die Kreisverwaltung habe im Umgang mit den Krisen viel gelernt, aber: "Immer, wenn man meint, man sei auf Krisen vorbereitet, kommt wieder eine ganz andere Krise", sagt Rüther und erwähnt den Tornado vom Mai vergangenen Jahres, der eine Schneise der Verwüstung durch die Paderborner Innenstadt zog.
Persönlich ziehen beide im Umgang mit Krisen auch Kraft aus ihrem Glauben. Ihr helfe es, ihre Sorgen und Nöte "im Gebet rauszulassen" und aus dem Dialog mit Gott Kraft zu schöpfen, sagt Diözesan-Caritasdirektorin Esther van Bebber. "Ohne das würde es bei mir nicht gehen."
Info
Der Stream der Bußandacht in der Reihe "Rendezvous im Dom" kann auf dem YouTube-Kanal des Erzbistums Paderborn angeschaut werden: https://www.youtube.com/watch?v=lvZcpvZVP-s
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Der Caritasverband für das Erzbistum Paderborn (kurz: Diözesan-Caritasverband) bildet das Dach, unter dem über 200 katholische Träger der Alten- und Gesundheitshilfe, der Jugend- und Behindertenhilfe und weiterer Dienste mit rund 70.000 Beschäftigten zu Hause sind. Das Verbandsgebiet deckt Ost- und Südwestfalen sowie das östliche Ruhrgebiet ab, also etwa ein Drittel des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Hinzu kommen kleine Bereiche in Nordhessen und Niedersachsen (zur Karte des Verbandsbereiches (als pdf)). Dem Diözesan-Caritasverband sind 23 Orts- und Kreis-Caritasverbände als Gliederungen angeschlossen. Der Diözesan-Caritasverband Paderborn ist einer von fünf Spitzenverbänden der Caritas innerhalb der Freien Wohlfahrtspflege Nordrhein-Westfalens.