Reden über Altersarmut: der Vorstand der Caritaskonferenzen im Dekanat mit Gästen. (von links) Patrick Wilk (Caritasvorstand Paderborn), Pfarrer Bernhard Henneke (geistlicher Beirat), die Vorsitzende Maxine Odenbach, Elke-Maria Kickum, Raimund Witter, Theresia Brinkmann, Karsten Henschel (Koordinator für Caritas), Claudia Hanna und Carsten Linnemann (Foto: Flüter)
"Mach dich stark für Generationengerechtigkeit", heißt die aktuelle Caritas-Jahreskampagne. Ein Thema, das durchaus kontrovers bewertet wird. Für den Bundestagsabgeordneten Dr. Carsten Linnemann (38) gibt es zumindest "keinen Generationenkonflikt". Dies sei nur eine von den Medien gesteuerte Kampagne, so der CDU-Politiker bei einem Bildungstag der Caritas-Konferenzen (CKD) im Dekanat Paderborn. Dennoch bangen, so Linnemann, viele ältere Menschen schon jetzt um eine ausreichende finanzielle Absicherung. Es sei abzusehen, dass die Zahl verarmter Senioren deutlich wachsen wird. Das wissen auch die 1200 CKD-Mitglieder im Dekanat, zumeist Frauen, die den Alltag älterer Menschen aus Hausbesuchen und Gesprächsgruppen kennen.
Um Altersarmut entgegenzuwirken, setzt Carsten Linnemann darauf, "erwerbsgeminderte Menschen" bei der Altersvorsorge zu unterstützen. Auch die "Mütterrente" sei sinnvoll. Diese Zusatzrente mindere die Benachteiligung von Frauen, die nicht einen Beruf ergriffen haben, sondern ihre Zeit vollständig der Familie widmeten. Zu oft werden immer noch Frauen benachteiligt. Vor allem sie arbeiten in "Minijobs", weil nur das wegen der Doppelbelastung Familie und Beruf möglich ist. Konsequenz: Ihre Rente liegt oft unter der Grundsicherung.
Ändern lassen sich diese schlechten Bedingungen durch eine Flexibilisierung des Arbeitsmarkts, meint Linnemann. Dazu gehört die "Flexi-Rente", die schon bald eingeführt werden soll. Sie erlaubt es Rentnern, länger zu arbeiten und so die Rente aufzustocken. Das rechnet sich, meint Linnemann. Um fast 25 Prozent könnten Rentner ihre Bezüge innerhalb von drei Jahren aufstocken.
Zustimmung erhielt der Bundestagsabgeordnete von Patrick Wilk, Vorstand des Caritasverbandes Paderborn. Vor allem im Bereich der Pflege drohe langfristig ein Personalengpass, sagte Wilk, weil aufgrund der älter werdenden Gesellschaft mehr Patienten gepflegt werden müssten, der Nachwuchs jedoch zunehmend fehle. Flexible Arbeitsverhältnisse könnten helfen, diese Lücke zu schließen.
Eine neue "Geisteshaltung" muss her, fordert Carsten Linnemann: Arbeit sei in jedem Alter "ein Wert an sich". Den CKD-Frauen muss er das nicht sagen. Die sind bis ins hohe Alter für die Caritaskonferenzen tätig. Aber wer sich sozial engagiert, erhält selten eine Aufwandsentschädigung und wird steuerlich kaum bevorzugt. Das muss sich ändern, versprach Linnemann. Er weiß: Gerade angesichts der Flüchtlingskrise kann das Land auf das engagierte Ehrenamt wie in den Caritas-Konferenzen nicht verzichten.