Über die wirtschaftlich schwierige Situation der Krankenhäuser sprachen Vertreter von Krankenhäusern im Kreis Paderborn mit CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann. Von links: Markus Funk (St. Vincenz Kliniken), Andrea Klausing (Caritas), Peer Kraatz (MZG), Carsten Linnemann (MdB CDU), Siegfried Rörig (Christliches Klinikum Paderborn) und die Diözesan-Caritasdirektoren Ralf Nolte und Esther van Bebber. (Foto: Markus Jonas)
Wie kann das Gesundheitssystem effizienter organisiert werden, ohne die Versorgung der Patienten zu gefährden? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Gesprächs zwischen Vertretern von Krankenhäusern aus dem Kreis Paderborn und CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann. Zu dem Austausch hatte der Caritasverband für das Erzbistum Paderborn eingeladen.
Im Gespräch wurde deutlich, dass viele Herausforderungen im Gesundheitswesen weniger auf fehlende finanzielle Mittel als vielmehr auf strukturelle Probleme zurückzuführen sind. Besonders Bürokratie, ineffiziente Strukturen und Fehlanreize im System wurden von den Krankenhausvertretern als zentrale Belastungen beschrieben. Diese wiesen zudem darauf hin, dass erhebliche personelle Ressourcen im Bereich Dokumentation und Prüfprozesse gebunden sind, um umfangreiche regulatorische Anforderungen zu erfüllen. Diese Kapazitäten stünden damit nicht für die unmittelbare Patientenversorgung zur Verfügung.
Aus Sicht der Krankenhäuser müsse sich die Steuerung des Systems stärker von Vorgaben zur Strukturqualität hin zu einer stärkeren Orientierung an tatsächlichen Behandlungsergebnissen entwickeln, betont Andrea Klausing vom Referat Krankenhäuser des Diözesan-Caritasverbandes. Ziel müsse sein, medizinisches Personal wieder stärker für die unmittelbare Versorgung der Patienten einsetzen zu können.
Im Gespräch wies Markus Funk, Geschäftsführer der St. Vincenz Kliniken, auf unterschiedliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Krankenhaussektor hin. In vielen Regionen Deutschlands unterstützen Kommunen ihre Krankenhäuser finanziell. Analysen gehen davon aus, dass kommunale Krankenhäuser im Durchschnitt mit rund 20.000 Euro pro Bett und Jahr durch ihre Kommune unterstützt werden. Zum Vergleich: Bezogen allein auf die katholischen Krankenhäuser im Kreis Paderborn würde dies rein rechnerisch einem Betrag von mehr als 27 Millionen Euro jährlich entsprechen - ein Betrag, den die katholischen Krankenhäuser wegen ihrer anderen Trägerschaft aber nicht erhalten. Die Gesprächsteilnehmer betonten, dass es ihnen bei diesem Hinweis nicht um Kritik an einzelnen kommunalen Krankenhäusern gehe, sondern um faire Wettbewerbsbedingungen im Gesundheitssystem.
Ein weiteres Thema war die Situation in den Notaufnahmen. Nach Einschätzung von Peer Kraatz, Geschäftsführer des Medizinischen Zentrums für Gesundheit (MZG) in Bad Lippspringe, suchen weiterhin viele Menschen die Notaufnahme auf, obwohl keine dringende Behandlung erforderlich ist. Schätzungen zufolge sind rund 40 bis 60 Prozent der Fälle keine echten Notfälle. Hier brauche es aus Sicht der Krankenhäuser bessere Steuerungsmechanismen im Gesundheitssystem, damit Patienten schneller an die jeweils passende Versorgungsstruktur gelangen.
Auch die finanzielle Situation der gesetzlichen Krankenversicherung spielte in dem Gespräch eine wichtige Rolle. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann zeichnete dabei ein deutliches Bild der anstehenden Herausforderungen. Allein für das kommende Jahr werde ein Defizit von mehr als 10 Milliarden Euro erwartet. "Diese Lücke können wir nicht einfach durch Beitragserhöhungen schließen", machte Linnemann deutlich. Steigende Beiträge würden letztlich Arbeitnehmer und Unternehmen zusätzlich belasten.
Siegfried Rörig, Geschäftsführer des Christlichen Klinikums Paderborn, verwies in diesem Zusammenhang auch auf Einsparpotenziale im Bereich der Arzneimittelausgaben. Deutschland gehört im internationalen Vergleich zu den Ländern mit besonders hohen Medikamentenpreisen. Gründe dafür liegen unter anderem darin, dass Hersteller bei neuen Medikamenten zunächst freie Preise festsetzen können und Preisverhandlungen erst später greifen.
Diözesan-Caritasdirektorin Esther van Bebber betonte im Gespräch die Verantwortung der freigemeinnützigen Krankenhäuser für eine verlässliche Versorgung in der Region. "Unser Ziel ist eine stabile und qualitativ hochwertige Versorgung für die Menschen vor Ort. Dafür brauchen Krankenhäuser Rahmenbedingungen, die Qualität ermöglichen und gleichzeitig unnötige Bürokratie reduzieren", sagte van Bebber. "Wir wollen Teil der Lösung sein, auch mit Blick auf konstruktive Reformdebatten."
CDU-Generalsekretär Linnemann begrüßte ausdrücklich den Ansatz der Krankenhäuser, nicht allein zusätzliche Finanzmittel zu fordern, sondern auch konkrete Vorschläge für strukturelle Veränderungen einzubringen. Die angesprochenen Punkte wolle er in die weiteren politischen Beratungen einbringen und in den Koalitionsausschuss mitnehmen. Einigkeit bestand in der Runde zudem darin, dass künftig auch die Eigenverantwortung der Bürger im Gesundheitssystem stärker in den Blick genommen werden müsse.
Die Gesprächspartner vereinbarten, den Austausch fortzusetzen. Nach der Veröffentlichung des Berichts der Reformkommission Ende März soll ein weiteres Treffen stattfinden, um die dort vorgeschlagenen Maßnahmen gemeinsam zu bewerten.