Der Ratsvorsitzende des Caritasverbandes für das Erzbistum Paderborn, Dr. Thomas Witt (rechts), besuchte das Hilfe-Team der „Sisters of Jesus and Mary“ in Beirut. Am Tag vor dem Kriegsbeginn im Libanon in Beirut musste er mit einem Kollegen das Land überstürzt verlassen. Von rechts: Thomas Witt, Schwester Annie Demerjian, Schwester Iram George, Mayssa Chahoud, Houda Ghandour, Imad Sultan, Schwester Helen Haigh und Rima Abi Karam. (Foto: Markus Jonas)
Für ihre Nothilfe für Flüchtlinge im Libanon stellt der Caritasverband für das Erzbistum Paderborn den "Sisters of Jesus and Mary" weitere 20.000 Euro zur Verfügung, die an Spenden eingegangen sind. Die vor wenigen Wochen bei Kriegsbeginn überwiesenen 25.000 Euro seien schon verbraucht, berichtete Hilfskoordinatorin Rima Abi Karam aus Beirut. "Wir reagieren damit auf die großen humanitären Nöte, von denen unsere Partner im Libanon berichten", sagt Nadine Mersch von der Caritas.
In kleinen Gruppen ist das Team der „Sisters of Jesus and Mary“ in Beirut und Umgebung unterwegs, um Flüchtlingen und anderen Menschen in Not zu helfen.(Foto: Markus Jonas)
Die Situation sei angesichts eines gerade zwar verlängerten, aber wackeligen Waffenstillstands angespannt und chaotisch, sagt Rima Abi Karam in einem Telefonat. "Das Problem ist: Nichts ist klar. Totale Verwirrung. Sie koordiniert die Hilfsprojekte der "Sisters of Jesus and Mary" rund um Schwester Annie Demerjian, die vom Paderborner Diözesan-Caritasverband seit zehn Jahren unterstützt werden. Das Team der Ordensgemeinschaft hilft seit Kriegsausbruch hunderten Familien, die aus dem Süden des Libanon nach Beirut und Umgebung geflohen sind. Mit den nach Kriegsausbruch von der Caritas kurzfristig zur Verfügung gestellten 25.000 Euro konnte das Team der Schwestern 1400 Menschen in Notunterkünften mit dem versorgen, was sie benötigen: Nahrungsmittel, Hygieneartikel, Schuhe, Matratzen oder Decken. Für Kinder organisierten die Helferinnen Malbücher und Beschäftigungsmaterial. "Wir gehen zu den Menschen - auf die Straße, in die Unterkünfte, überall dorthin, wo sie sind", sagt Rima Abi Karam.
"Die Hilfe der Sisters of Jesus and Mary im Libanon ist unverzichtbar", sagt der Ratsvorsitzende des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn, Dr. Thomas Witt, der kürzlich einen Besuch bei den Schwestern im Libanon wegen des Kriegsausbruches überstürzt abbrechen musste. "Wir tun alles, um die Schwestern auch weiterhin unterstützen zu können."
Aktuell kreisen wieder israelische Drohnen über der libanesischen Hauptstadt, berichtet Rima Abi Karam. "Den ganzen Tag hört man die Drohnen. Manchmal sieht man sie kurz. Es ist sehr laut." Ob sie wieder angreifen werden, bleibt offen. Die größte Belastung ist denn auch für viele Menschen die anhaltende Unsicherheit. Gleichzeitig bleibt die humanitäre Lage dramatisch. Viele geflüchtete Familien leben weiterhin unter beengten Bedingungen bei Verwandten oder in Schulen, Klöstern, Kirchen oder Zelten. Besonders betroffen sind christliche Gemeinden im Süden des Libanon, aus denen ein Großteil der vom Team der Schwestern betreuten Familien stammt. Allein 160 dieser Flüchtlinge stammen aus dem kleinen christlichen Dorf Qawzah nahe der israelischen Grenze, das nach Medienberichten im März von Kämpfern der Hisbollah übernommen und für Angriffe auf Israel genutzt wurde. Viele der Flüchtlinge versuchen in die Heimat zu fahren, solange der Waffenstillstand anhält. Doch die Rückkehr ist wegen der zerstörten Brücken über den Fluss Litani schwierig oder gar unmöglich. Selbst wer in sein Dorf gelangt, darf meist nur kurz bleiben: "Die Rückkehrer holen, was sie können, und müssen dann aber wieder gehen", sagt Rima Abi Karam.
Charbel Doro aus Tyros berichtet von der Flucht seiner Familie aus der Hafenstadt Tyros(Foto: Rima Abi Karam)
Manche Flüchtlinge kommen auch in das Büro der Schwestern im Beiruter Stadtteil Burj Hammoud, wo sich aktuell die Hilfsgüter stapeln. Charbel Doro (56) hat dort seine Geschichte Rima und ihrem Team erzählt. Er kommt wie viele andere Flüchtlinge auch aus Tyros, einer Stadt am Mittelmeer. Für neun Menschen ist er verantwortlich, darunter zwei Enkelkinder und eine 85-jährige Schwiegermutter. "Die Bombardierungen waren anfangs nicht so nah bei uns", erzählt er. "Wir hatten Angst, ja, aber es ist nicht leicht, ohne Ersparnisse zu fliehen." Sein Einkommen war zwar nie genug. "Aber wir kamen irgendwie zurecht." Dann kamen die Anrufe: "Sie riefen meine Frau Odette an, und gleichzeitig mich auf der Arbeit. Sie sagten, wir müssten gehen. Ihr könnt nicht bleiben. Dass das Gebiet angegriffen werde. Da gerieten wir in Panik. Es gab keine Zeit nachzudenken. Man nimmt nur das mit, was man tragen kann. Nur ein paar Kleidungsstücke. Wir dachten, vielleicht kommen wir in ein paar Tagen zurück." Was folgte, war eine Odyssee durch Notunterkünfte, es gab Absagen. Zu viele Menschen, zu wenig Platz. Als er später zurückkehrte, war sein Haus verschwunden. "Da war nichts mehr, nur noch ein Trümmerhaufen." Ebenso das Haus seiner Tochter und ihrer Familie.
Charbel Doro aus Tyros zeigt Fotos von seinem Haus und dem seiner Tochter, die jetzt beide zerstört sind.(Foto: Charbel Doro)
Menschen wie Charbel Doro und ihren Familien zu helfen, dem haben sich Rima Abi Karam und die Sisters of Jesus and Mary verschrieben. Viele internationale Hilfsgelder sind aber bereits aufgebraucht. "Der Bedarf ist größer, als wir dachten", sagt Abi Karam. Neben materieller Hilfe rückt dabei auch die seelische Unterstützung in den Fokus - vor allem für Kinder und Frauen, die unter den Folgen von Krieg und Flucht leiden. "Wir beten und machen weiter", sagt Rima Abi Karam. Und: "Ohne eure Unterstützung könnten wir diese Arbeit nicht leisten." "Wir bitten deshalb weiterhin um Spenden für die Hilfe in Nahost", sagt der Ratsvorsitzende des Caritasverbandes für das Erzbistum Paderborn, Dr. Thomas Witt. "Alle Spenden kommen ohne Abzug den Notleidenden im Libanon zugute."
Info
Der Caritasverband für das Erzbistum Paderborn bittet um Spenden für die Nothilfe: Konto: DE 54 4726 0307 0000 0043 00 bei der Pax-Bank für Kirche und Caritas. Stichwort: Naher Osten