Kindern eine wunderbare Welt erschließen

Gern gesehener Gast in der katholischen Kita St. Marien: Günter Hornemann zwischen den interessierten Zuhörern (v.l.) Carolina Wiethaup, 6 J. , Marius Wiethaup, 3 J., Nevin Dojan, 5 J., Luca Volkhausen, 4 J. Thea Meyer( Mädchen mit Brille), 6 J. (Bild 9). Gern gesehener Gast in der katholischen Kita St. Marien: Günter Hornemann zwischen den interessierten Zuhörern (v.l.) Carolina Wiethaup, 6 J. , Marius Wiethaup, 3 J., Nevin Dojan, 5 J., Luca Volkhausen, 4 J. Thea Meyer( Mädchen mit Brille), 6 J. (Bild 9). Foto: Schäfer

Alle Augen sind auf ihn gerichtet. Voller Erwartung. Günter Hornemann sitzt bequem im Ledersessel, lächelt und klappt das Buch auf und beginnt mit ruhiger, angenehmer Stimme vorzulesen. Die Geschichte des kleinen Eisbären Lars, der von einem Abenteuer ins nächste schlittert, viele Freunde hat und stets aus brenzligen Situationen gerettet werden muss, kommt bei den Kindern aus dem katholischen Familienzentrum St. Marien in Steinheim (Kreis Höxter) gut an.

Zwischendurch zeigt Günter Hornemann Bilder des niedlichen Eisbärs, lässt die Kinder direkt miterleben. Manche aus der Gruppe setzen sich auf die Sesselkante und kuscheln sich an, andere wiederum knien zu seinen Füßen, legen sich entspannt hin und hören gespannt zu. Von Berührungsängsten keine Spur. Seit mehr als zehn Jahren kommt Günter Hornemann für mehrere Stunden in die Kindertagesstätte, spielt mit den Kindern, liest vor, beschäftigt sich intensiv mit ihnen.

Für den 73-jährigen Rentner und passionierten Zeitungsleser eine wunderbare Aufgabe: "Für mich ist der Dienstag der schönste Morgen, wenn ich zu den Kindern kommen kann." Und alles ist freiwillig: Einige der drei-bis sechsjährigen Mädchen und Jungen aus den verschiedenen Gruppen sind schon morgens gespannt und können es gar nicht erwarten, dass Günter Hornemann vorliest. Andere Kinder hören kurz zu, haben dann aber keine Lust, sich den Geschichten und Bildern zu widmen und spielen in einem anderen Raum weiter. "Das ist alles in Ordnung", sagt Günter Hornemann.    

Der fünffache Großvater - auch seine Enkelkinder haben alle die Steinheimer Kita besucht - hat ein Händchen für Kinder. Er schenkt ihnen Zuwendung und Zeit. Zeit, die die Eltern in ihrem stressigen Alltag immer weniger zur Verfügung haben. Und auch die Großeltern stehen nicht regelmäßig zur Verfügung, diese leben oft nicht mehr in der Nachbarschaft ihrer Enkel. So übernimmt der ehrenamtliche Lesepate diese Aufgabe, vermittelt ihnen Geborgenheit und Nähe. "Mit meinem ersten Enkelkind habe ich angefangen, und ich will das Vorlesen beibehalten, das macht mir wirklich Freude." Die Kinder haben den Lesepaten ins Herz geschlossen. Wenn sie "ihren" Herrn Hornemann in der Stadt, in der Kirche oder auf Spaziergängen treffen, grüßen sie diesen schon von weitem.     

Auch die Erzieherinnen sind vom Einsatz des rüstigen Rentners begeistert. "Für die Kinder ist das Vorlesen ein echter Edelsteinmoment", sagt Anita Wieneke, stellvertretende Leiterin des Familienzentrums. Sie sieht im Engagement nicht nur ein zusätzliches Angebot ihrer Einrichtung, sondern auch eine Wertschätzung für die Kinder, die in einer reizüberflutenden und digitalen Welt einen echten Schatz kennenlernen. "Sie entdecken gemeinsam einen Bücherschatz, der ihnen die Möglichkeit gibt, vielfältige Erfahrungen zu machen und zudem noch Kontakt zu anderen Generationen zu bekommen." 

Günter Hornemann führt die Kinder durch die Welt der Märchen, lässt sie an spannenden Abenteuern teilhaben oder weckt das Interesse an jahreszeitlich-religiösen Geschichten, auch aus der Bibel.  Manchmal greift der Lesepate aus dem Fundus des Familienzentrums, bringt selbst Bücher mit, oder die Kinder dürfen ihre Lieblingsbücher mitbringen. 

Durch den Lesepaten hätten die Kinder die Möglichkeit, ihr Sprachgefühl zu schulen und den Wortschatz zu erweitern, so Anita Wieneke. "Die Fantasie wird angeregt und die Kommunikation gefördert." Und nicht zuletzt vermittle der Lesepate ein wichtiges Stück Kultur. "Leider gibt es viel zu wenig Senioren, die in den Kitas vorlesen", bedauert Günter Hornemann.