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Stand: 02.10.2017

Pressemitteilung

„Potenziale der Kitas werden für die Frühförderung nicht ausgeschöpft“

Federführung des von der Stiftung Wohlfahrtspflege geförderten NRW-weiten Projektes „Teilhabechancen für Kinder verbessern“ Beate van Bentum, Annette Steffens, Michael Brohl und Margarete PrinzÜbernehmen die Federführung des von der Stiftung Wohlfahrtspflege geförderten NRW-weiten Projektes „Teilhabechancen für Kinder verbessern“ (v. l.): Beate van Bentum, Annette Steffens, Michael Brohl und Margarete Prinz vom Diözesan-Caritasverband Paderborn. (Foto: cpd / Jonas)

Wenn Kinder Probleme haben in der sprachlichen Entwicklung, beim Spielen oder im Umgang mit anderen Kindern, wenn gar eine körperliche oder kognitive Beeinträchtigung droht, greift ein besonderes Förderangebot. "Heilpädagogische und besonders interdisziplinäre Frühförderung sind inzwischen bewährte Instrumente", sagt Beate van Bentum vom Diözesan-Caritasverband Paderborn. "Zum Glück hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, Kinder bei Auffälligkeiten so früh wie möglich bestmöglich zu fördern, um Spätfolgen entgegenzuwirken." Der Erfolg von Frühförderung hänge davon ab, wie das Erlernte auf die verschiedenen kindlichen Lebensbereiche übertragen wird. So gut das vielleicht im Elternhaus funktionieren kann, "hakt" es ausgerechnet an einem Ort, an dem Kinder besonders viel Zeit verbringen: in der Kindertagesstätte (Kita). Frau van Bentum: "Frühförderung und Kita sind getrennte Systeme, man weiß wenig voneinander." Dieser Eindruck ist inzwischen auch wissenschaftlich belegt. 

So sind beispielsweise in Niedersachsen nur zwei von 100 Kitas in die Erstellung von Förderplänen einbezogen, wie eine Untersuchung der Uni Osnabrück ergeben hat. Umgekehrt berücksichtigen demnach nur etwa die Hälfte aller Förderstellen die in den Kitas vorhandenen Entwicklungsberichte zur Diagnoseerhebung. Selten oder nie würden Berichte der Frühförderung an die Mitarbeiterinnen der Kindertageseinrichtung weitergeben.  Die Ergebnisse der Studie ließen sich auf NRW übertragen, so Beate van Bentum. Ihr Fazit:  "Die Potenziale der Kitas werden für die Frühförderung nicht ausgeschöpft."

Die Kooperation und Vernetzung beider Bereiche möchte jetzt die Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW systematisch entwickeln. Die Federführung des von der Stiftung Wohlfahrtspflege geförderten Projektes "Teilhabechancen für Kinder verbessern"  liegt beim Diözesan-Caritasverband Paderborn. Acht Modellregionen wurden für das Projekt ausgewählt, vier im Bereich des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (die Städte Castrop-Rauxel, Dortmund, Gelsenkirchen und der Kreis Steinfurt) und vier im Bereich des Landschaftsverbandes Rheinland  (die Städte Düsseldorf und Oberhausen, sowie der Oberbergische und der Rhein-Erft-Kreis). 

Vor dem Start konnten sich Kommunen im Zusammenschluss mit Kita-Trägern und interdisziplinär arbeitenden Frühförderstellen gemeinsam bewerben. "An Hand einer für alle verbindlichen Mustervereinbarung wird in den Regionen ein Konzept der Kooperation und Zusammenarbeit entwickelt, das die Förderung des Kindes und die Beratung der Familie vernetzt", erklärt Beate van Bentum. Wichtig sei es zunächst, eine gemeinsame Sprachebene zu entwickeln. So haben alle Beteiligten die Möglichkeit, sich in die internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen (ICF-CY)  einführen zu lassen. Bis zu den Sommerferien 2017 werden in 40 zweitägigen Seminaren  ca. 800 Personen mit diesem System vertraut gemacht. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet durch Prof. Dr. Simone Seitz und Catalina Hamacher von der Universität Paderborn. Die Auftaktveranstaltung findet am 7. Februar in Schwerte statt. 

 

 

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