URL: www.caritas-paderborn.de/aktuell-presse/presse/ethik-und-seelsorge-im-krankenhaus-a69ece70-ac24-4caa-900b-6548a7d5aadd
Stand: 10.11.2017

Pressemitteilung

Ethik und Seelsorge im Krankenhaus

Ethik und Seelsorge im KrankenhausDiskutierten das Verhältnis von Ethik und Seelsorge im Krankenhaus (von links): Pfarrer Frank Wecker (Diözesanbeauftragter für Krankenhausseelsorge), Prof. Dr. Günter Wilhelms, Theo Freitag, Domkapitular Dr. Thomas Witt, Marius Menke (Geschäftsführer Diözesaner Ethikrat) und Hartwig Trinn (Leiter Seelsorge St.-Elisabeth-Gruppe Herne).(Foto: cpd / Jonas)

Bei ethischen Herausforderungen im medizinischen Alltag von Krankenhäusern sind sie oft die ersten Ansprechpartner: die Krankenhausseelsorger. Zusätzlich haben sich in vielen Krankenhäusern Ethik-Komitees gebildet. Um den Dialog zwischen Ethik und Seelsorge zu fördern, hatten der Diözesane Ethikrat und die Krankenhausseelsorge im Erzbistum Paderborn zu einer gemeinsamen Veranstaltung im Kongresszentrum am St.-Anna-Hospital in Herne eingeladen. Gemeinsames Ziel: Die Qualität im Umgang mit ethischen und seelsorglichen Fragen im Krankenhaus zu fördern.

Domkapitular Dr. Thomas Witt, Vorsitzender des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn und Mitglied des Ethikrates, rief die anwesenden Seelsorger und Ethiker auf, im Alltag Achtsamkeit walten zu lassen. Es sei wichtig, beim Gegenüber darauf zu achten, „wo der Schuh wirklich drückt“. Symptome allein seien oft nicht aussagekräftig. Für die nötige Achtsamkeit müsse ausreichend Zeit aufgewendet werden. Dann könne sie heilend wirken, vor allem, da sich gerade im Krankenhaus vieles an Lebensfragen konzentriere. Das Ziel aller Einrichtungen der Caritas sei die Verbesserung der Lebensqualität der Menschen. „Dafür müssen wir uns Achtsamkeit bewahren.“

Theo Freitag, Geschäftsführer der St.-Elisabeth-Gruppe Herne, erläuterte, wie die Seelsorge ganz praktisch in die Abläufe der fünf katholischen Krankenhäuser der Gruppe eingebunden ist. Jeder Patient könne zu jeder Zeit den Wunsch nach dem Besuch eines Seelsorgers äußern. Die Seelsorge sei in den Krankenhäusern eine gleichberechtigte Profession wie etwa die Medizin und die Pflege auch. Allen gemeinsam sei das Anliegen, die Behandlungsergebnisse der Patienten zu verbessern. „Die Krankenhausseelsorge muss – um wirksam zu sein – Teil der ganzheitlichen Behandlungsprozesse sein“, betonte Freitag.

Prof. Dr. Günter Wilhelms vom Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre der Theologischen Fakultät Paderborn erläuterte, wie sich die Ethik angesichts einer immer komplexer werdenden Gesellschaft ebenfalls in verschiedenen Bereichen ausdifferenziere und professionalisiere. Das habe zwar den Vorteil, dass die Ethik „modern“ sein könne, berge aber die Gefahr zur Verzerrung der ethischen Perspektive, sagte Wilhelms, der auch stellvertretender Vorsitzender des Diözesanen Ethikrates ist. Von der Seelsorge könne die Ethik deshalb profitieren: „Die Seelsorge kann die Ethik auf Verengungen aufmerksam machen, wie sie mit ihrer Institutionalisierung und Professionalisierung verbunden sind“, sagte Wilhelms. Ebenso könne die Seelsorge von der Ethik profitieren: „Die Seelsorge bewahrt die Ethik vor Selbstgenügsamkeit und erinnert an ihre ureigene Aufgabe: den Dienst an der Selbstentfaltung des Menschen.“
 

Copyright: © caritas  2017