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Stand: 10.11.2017

Pressemitteilung

Endlich solide Perspektive für Kitas schaffen

Die strukturelle Unterfinanzierung der Kindertageseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen bedroht deren Existenz. Dass die NRW-Landesregierung dies erkannt und für die nächsten zwei Jahre einen Gesetzentwurf zur Rettung der Trägervielfalt von Kitas in NRW vorgelegt hat, begrüßt die diözesane Arbeitsgemeinschaft der katholischen Kindertageseinrichtungen im Erzbistum Paderborn ausdrücklich. "Jetzt muss das Gesetz auch schnell verabschiedet und umgesetzt werden", fordert  Detlef Müller, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft, die mehr als 600 Einrichtungen mit rund 34.000 Kindern und mehr als 8.400 Mitarbeitern vertritt.

Für die Zeit danach ist allerdings eine Reform des bisherigen Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) dringend nötig, für das die Arbeitsgemeinschaft nun ein Positionspapier mit Empfehlungen vorgelegt hat. Titel: "Kinder und Familien stärken." "Uns geht es darum, gute Rahmenbedingungen zu haben, unter denen wir gute Arbeit für Kinder und ihre Familien leisten können", sagt Müller und fordert die Politik auf, den Eltern nur das zu versprechen, was sie den Kita-Trägern vorher auch ermöglicht hat. "In der Vergangenheit wurde vieles versprochen, aber kein Geld dafür bewilligt." Die Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft seien "ein solider Ansatz, Mindeststandards festzulegen", sagt Müller.

Michael Brohl, Abteilungsleiter beim Diözesan-Caritasverband Paderborn und Mitautor des Papiers, fordert Rahmenbedingungen zu schaffen, "die sich in erster Linie an dem Wohl des Kindes orientieren und nicht an finanz- und wirtschaftspolitischen Vorstellungen". Politik müsse Sorge dafür tragen, dass Kindertageseinrichtungen ihrem Bildungsauftrag für alle Kinder - insbesondere auch für unter Dreijährige und für Kinder aus benachteiligten Familien - gerecht werden können.

Die finanzielle Schieflage der Kitas wurde vor allem durch eine nicht ausreichende Finanzierung der Personalkosten verursacht. Entsprechend fordert die Arbeitsgemeinschaft, dass zukünftige Finanzierungsregeln die tatsächlichen Personalkosten entsprechend des jeweiligen Tarifvertrages berücksichtigen. "Die Tarifbindung ist ein fairer Rahmen. Das haben die Mitarbeiter verdient", betont Detlef Müller. Träger, die keine "Dumping-Löhne", sondern angemessene Vergütungen zahlen, dürften nicht benachteiligt werden.  

Um eine gute pädagogische Qualität zu erreichen, sei auch ein angemessener Personaleinsatz nötig, betont Müller. Dabei müssten dringend auch Zeiten für Elterngespräche sowie für Krankheit, Weiterbildung und Urlaub in den Personalberechnungen berücksichtigt werden. Konkret schließt sich die Arbeitsgemeinschaft den Empfehlungen einer Bund-Länder-Konferenz in Bezug auf die Personalausstattung an. Demnach müsse es eine Fachkraft für zwei Kinder unter einem Jahr geben, sowie eine für drei bis vier Kinder unter drei Jahren und eine Fachkraft für acht bis neun Kinder ab dem dritten Lebensjahr. Für Leitungsaufgaben hält die Arbeitsgemeinschaft es "für unerlässlich", so Müller, mindestens 20 Stunden pro Woche einzurechnen und für Kitas ab drei Gruppen die Leitung von der pädagogischen Arbeit freizustellen. 

Die Qualität der räumlichen Ausstattung müsse ständig verbessert werden, gerade auch für neue Aufgaben, betont Müller. Und nicht, wie in der Vergangenheit geschehen, ein Anspruch auf Mittagessen geschaffen werden, ohne dass in den Kitas Küchen vorhanden gewesen seien. Durch die Flexibilisierung der Öffnungszeiten, die Über-Mittag-Betreuung und den wachsenden Anteil an Kindern unter drei Jahren sowie Kindern mit Behinderung seien neue Raumkonzepte und -strukturen notwendig. 

In Bezug auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Ausweitung der Öffnungszeiten fordert die Arbeitsgemeinschaft, das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen, nicht das Wohl der Wirtschaft. Kinder brauchten Verlässlichkeit, Bindung und Kontinuität. Darauf müsse jede Einrichtung personell und baulich abgestellt sein.

Zur Förderung von Kindern aus benachteiligten Verhältnissen schlägt die Arbeitsgemeinschaft der Kitas die volle Kostenübernahme des gesamten Leistungsangebotes vor. Dazu gehören insbesondere die Finanzierung des Mittagessens und von Zwischenmahlzeiten sowie von Ausflügen, anderen Veranstaltungen und Verbrauchsmaterial. Das "Bildungs- und Teilhabepaket", das dafür gewöhnlich umständlich beantragt werden müsse, sei nach wie vor zu bürokratisch und durch den Personalaufwand viel zu teuer, kritisiert Detlef Müller.

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