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Stand: 10.11.2017

Pressemitteilung

„Die Sache nicht einfach laufen lassen“

Die Überschuldung privater Haushalte steigt weiterhin an. Im Bereich des Erzbistums Paderborn sind laut Schuldneratlas 2017 der Creditreform  (https://www.creditreform.de/nc/aktuelles) besonders das Ruhrgebiet und der Märkische Kreis von überdurchschnittlichen Steigerungsquoten betroffen. Bei Städten über 400.000 Einwohnern nimmt Dortmund nach Duisburg bundesweit einen Spitzenplatz ein. Hier sind über 14 Prozent der Erwachsenen überschuldet; in der Stadt Herne sind es sogar fast 18 Prozent. Im NRW-Durchschnitt liegt die Quote bei 11,6 Prozent.  

Das Thema Altersüberschuldung bleibt laut Creditreform besonders virulent: Die Verschuldung von Senioren sei seit 2013 um 76 Prozent  gestiegen. Im Gegensatz dazu ist die Überschuldung in der jüngsten Altersgruppe in diesem Jahr nochmals zurückgegangen und liegt jetzt bei 14 Prozent. Eine Sonderauswertung nach Milieuzugehörigkeit zeigt, dass auch in diesem Jahr fast alle neuen Überschuldungsfälle aus der "Mitte der Gesellschaft" stammen, konkret gibt es hier ein Plus von 69.000 Fällen. Die Zahl der Überschuldungsfälle aus den gehobenen und unteren Schichten habe dagegen leicht abgenommen. Das diesjährige Sonderthema "Die angegriffene Mitte" befasste sich auch mit den Folgen von Überschuldung auf Mittelschichtfamilien. Hier zeige sich, wie sehr die Identität von Familien aus der Mittelschicht erschüttert wird, wenn diese in Überschuldung und Privatinsolvenz geraten. Überschuldung äußere sich als "massiver Einschnitt in das normale Leben" und führe die Betroffenen oft genug in eine "Schockstarre".

Rund zwei Drittel der Überschuldungsfälle ließen sich auf fünf Gründe zurückführen: Arbeitslosigkeit (20,2 Prozent), Erkrankung, Sucht, Unfall (15,3 Prozent), Trennung, Scheidung und Tod (12,8 Prozent), unwirtschaftliche Haushaltsführung (10,9 Prozent) und eine gescheiterte Selbstständigkeit (8,4 Prozent). Diese fünf Faktoren seien für insgesamt 67,6 Prozent der Überschuldungsfälle in Deutschland verantwortlich.

Die Fachkräfte der örtlichen Schuldnerberatungsstellen raten dazu, rechtzeitige Hilfe zu suchen und Schuldenberater zu kontaktieren. Ein wesentliches Warnzeichen ist, wenn das Konto dauerhaft überzogen werde. Doch Überschuldung hat viele Facetten. Birgit Pachur, Referentin für Schuldnerberatung beim Diözesan-Caritasverband Paderborn: "Schulden können den Arbeitsplatz gefährden, zu unerträglichen Spannungen in der Familie und zu Krankheit führen." Deshalb sei die Schuldnerberatung der Caritas und Fachverbände im Erzbistum Paderborn als Sozialberatungsstelle konzipiert, die sich auf Wunsch ganzheitlich der Überschuldungsproblematik annimmt. "Absolut falsch ist es, die Sache einfach laufen zu lassen und darauf zu hoffen, dass sich die Überschuldung schon irgendwie von alleine löst." 

Mit den 16 anerkannten Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen der Caritas im Erzbistum Paderborn lassen sich telefonisch Beratungstermine vereinbaren. Unabhängig von Wartelisten bieten einige Schuldnerberatungsstellen auch freie Beratungszeiten an, wo ein Erstgespräch bzw. eine erste Krisenintervention geleistet werden können. Die Anschriften der Beratungsstellen sind im Internet hinterlegt: http://www.caritas-paderborn.de/beraten-helfen/armut-schulden/schuldnerberatung.

 

 

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