Ein Feriendorf für Tschernobylkinder
Tschernobyl: die Katastrophe und ihre Folgen
Am 26. April 1986 ereignete sich die bisher größte Katastrophe in der Geschichte der friedlichen Nutzung der Atomenergie: der Block vier des in der heutigen Ukraine gelegenen Kernkraftwerkes Tschernobyl explodierte. Zehn Tage lang wurden große Mengen radioaktiver Stoffe freigesetzt. Noch heute ist rund ein Zehntel der Ukraine radioaktiv verseucht. Neben den Menschen, die damals unmittelbare Strahlenschäden erlitten haben, gehören heute junge Erwachsene und deren Kinder zu den größten Opfern des Unglücks. Strahlenbelastete Eltern haben bislang über 200 000 Kinder zur Welt gebracht. Viele von ihnen erkrankten an Leukämie, Schilddrüsenkrebs und Immunschwächekrankheiten. Auch Fälle von Missbildungen bei Neugeborenen sind weit verbreitet. Die Kindersterblichkeit in der Ukraine beträgt 2,1 Prozent und ist damit viermal so hoch wie in Deutschland.
Länderinfo Ukraine
errichtet. Zur Zeit müssen die Gebäude erneuert werden.
Die alten Holzhäuser waren durch die strengen Winter in
Mitleidenschaft gezogen worden.
Die Ukraine war von 1922 bis 1991 Teil der Sowjetunion. 1991 erlangte sie ihre Unabhängigkeit. Mit einem Territorium von 603.700 Quadratkilometern ist sie fast doppelt so groß wie Deutschland. Ihre Einwohnerzahl beträgt 48,7 Millionen. In der Hauptstadt Kiew leben 2,6 Millionen Menschen. Nach Angaben der Weltbank gehört die Ukraine zu den ärmsten Ländern der Erde. Fast ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze und hat umgerechnet weniger als einen Dollar pro Tag zur Verfügung. Die Arbeitslosenquote beträgt nach inoffiziellen Schätzungen 35 bis 40 Prozent. Wer die Möglichkeit hat, geht ins westliche Ausland, um dort seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Folge: In den vergangenen zehn Jahren schrumpfte die Bevölkerung von 52 auf 49 Millionen.
... damit strahlenbeschädigte Kinder wieder lachen können
Kinder leiden am meisten unter den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Zum Beispiel Anuschka, deren Eltern zur Zeit des Unglücks nur dreißig Kilometer vom Kraftwerk entfernt wohnten. Seit ihrer Geburt hat Anuschka schlechte Blutwerte. Außerdem leidet sie an einer Leberentzündung. Sie ist ständig müde und klagt häufig über Kopfschmerzen.
Immunsystem unter der Reaktorkatastrope
Im letzen Jahr war sie für drei Wochen zur Erholung im Kinderferiendorf Jablunitsa. Hier erhielt sie täglich frisches Obst und Gemüse – Dinge, die sich ihre Eltern nur selten leisten können. Daneben wurde Anuschkas Immunsystem durch therapeutische Behandlungen, Gymnastik, Sport und Spiel intensiv gestärkt. Das alles sowie das gesunde Klima haben dazu beigetragen, dass Anuschka heute fast wieder ein ganz normales Leben führen kann. Nun kann sie wieder an Klassenausflügen teilnehmen oder mit ihren Freundinnen spielen. „Man konnte direkt beobachten, wie die kleine Anuschka von Tag zu Tag mehr auflebte“, berichtet Schwester Dominica von der medizinischen Abteilung des Kinderdorfes. Laboruntersuchungen belegen, dass schon ein dreiwöchiger Kuraufenthalt in Jablunitsa das Blutbild der kleinen Patienten nachhaltig verbessert.
Die Caritas möchte möglichst vielen strahlenbelasteten Kindern einen Aufenthalt in Jablunitsa ermöglichen. Dies ist erheblich günstiger als eine Kur im Westen. So kostet in Deutschland ein dreiwöchiger Erholungsurlaub eines Tschernobyl-Kindes über 600 Euro. Für die gleiche Summe können sich in Jablunitsa vier bis fünf Kinder erholen.
Die Aufnahme der Kinder erfolgt nach Bedürftigkeit und medizinischen Gesichtspunkten. Die nationale Herkunft oder die Religionszugehörigkeit spielen keine Rolle. Da der Kuraufenthalt für einkommensschwache Familien kostenlos ist, müssen die Ausgaben für das laufende Betrieb durch Spenden gedeckt werden.
Caritas-Kinderdorf: Zahlen, Daten, Fakten
Das Kinderferiendorf Jablunitsa ist 1996 gebaut worden. Es liegt etwa 200 km südlich von Lemberg (L´viv) im Karpaten-Nationalpark; idyllisch gelegen in einem Tal umgeben von Wäldern. Diese Region ist seit Jahrhunderten als Kurregion für Lungen- und Blutkranke bekannt. Das Feriendorf besteht aus 20 zeltförmigen Häusern, in denen rund 150 kleine Gäste im Alter zwischen acht und dreizehn Jahren Platz finden. Hinzu kommen ein Küchengebäude sowie ein Gebäude für medizinische und therapeutische Anwendungen. Der Tagessatz pro Kind liegt bei rund 10 Euro.
Unterstützt wird das Projekt von nordrhein-westfälischen Diözesan-Caritasverbänden sowie vom Hilfswerk Renovabis. Träger der Einrichtung ist die nationale Caritas der römisch-katholischen Kirche in der Ukraine (Caritas-Spes).
So können Sie helfen
Mit jeder – auch noch so kleinen - Spende können Sie den Kindern in der Ukraine wieder neue Hoffnung und Lebensfreude schenken.
Spendenkonto:
Nr. 4300
Bank für Kirche und Caritas
BLZ 472 603 07
Stichwort: „Kinderferiendorf Ukraine“
Ansprechpartner

Dr. Dirk Lenschen
Telefon: 05251 209-227
Telefax: 05251 209-202
E-Mail: d.lenschen@caritas-paderborn.de
