Literatur

Hans-Jürgen Brandt
Der Caritasverband für das Erzbistum Paderborn in Geschichte und Gegenwart, Paderborn (Schöningh) 1994 Barbara Stambolis, Glaube und Heimat.

Die Flüchtlingsarbeit
der Katholischen Osthilfe im Erzbistum Paderborn nach 1945. Paderborn (Bonifatius) 1998

 
Dokumente zum Herunterladen: Gründungsversammlung

Am 8. Dez. 1915 wurde im Vereinshaus St. Josef in Dortmund (Abbildung oben) der Diözesan-Caritasverband Paderborn gegründet.

Das Protokoll der Gründungsversammlung (2 megabyte)...

 
Dokumente zum Herunterladen: Bilder von Not und Elend 1948

Dokument: Bilder von Not und Hilfe mit 1 Mega Byte zum Herunterladen

Bilder von Not und Hilfe
Der Diözesan-Caritasverband zeigt Bilder von Not und Hilfe im Erzbistum Paderborn 1948 (Reprint 2005).

Kostenlos erhältlich beim
Diözesan-Caritasverband
Am Stadelhof 15
33098 Paderborn.
Telefon: 05251 / 209-222

 
Der Verband  

 

Flüchtlingskinder beim Essen
Flüchtlingskinder aus den deutschen
Ostgebieten fanden nach den Zweiten
Weltkrieg Aufnahme in notdürftig
eingerichteten Unterkünften.
(Foto: Walter Nies) 

Caritasgeschichte

Übersicht

Die Gründerzeit

Nationalsozialismus

Die Nachkriegszeit

Die Gegenwart

Caritas-Pioniere

 

Die Gründerzeit: Antworten auf das Massenelend

Neben der individuellen Verpflichtung jedes Christen zur tätigen Nächstenliebe gab es immer schon organisierte Formen der Caritas, so etwa Ordensgemeinschaften, die sich der Armen- und Krankenpflege widmeten. Im 19. Jahrhundert kam das Engagement von Laien hinzu. Sie gründeten caritative Vereine als Antwort auf die gesellschaftlichen Folgen der industriellen Revolution. Die „soziale Frage“ rief engagierte Katholiken auch im Bereich des Bistums Paderborn auf den Plan: Elisabeth-Vereine (heute Caritas-Konferenzen) entstanden auf der Ebene der Kirchengemeinden, so 1845 in Olpe, 1847 in Soest. 1849 entstand in Paderborn die erste Vinzenz-Konferenz.

Die Gründung der heute noch bestehenden caritativen Verbände erfolgte in der Diözese Paderborn zwischen 1890 und 1915. So der Verein für Jugendhilfe (1894), der Sozialdienst katholischer Frauen SkF und Männer SKM (1899/1912), IN VIA Katholische Mädchensozialarbeit (1907), die Josefs-Gesellschaft (1904) und der Kreuzbund (1905). 1906 wurde in Dortmund der erste örtliche Caritasverband des Bistums gegründet.

Porträtfoto in schwarz-weiß: Bischof  Karl Joseph Schulte  
Bischof  Karl Joseph Schulte
fasst 1915 die Caritas im
Bistum Paderborn in einem
diözesanen Caritasverband
zusam
men.
(Foto: Archiv Erzbistum
Paderborn)


Am 8. Dezember 1915 erfolgte unter dem Eindruck des Ersten Weltkrieges die Zusammenfassung der zersplitterten caritativen Aktivitäten im Bistum durch Bischof Karl Joseph Schulte in einem diözesanen Caritasverband. Der Sitz des Verbandes war zunächst Dortmund, 1917 wurde er nach Paderborn verlegt. Bedingt durch die Kriegsgefangenenlager in der Senne bei Paderborn, kam es zu einer raschen Ausweitung der Arbeit. Der Suchdienst des Caritasverbandes für vermisste alliierte Kriegsgefangene genoss internationales Ansehen.

Bis zum Ende der Weimarer Republik erfolgte ein stetiger Ausbau der organisierten Caritas. Lagen die Schwerpunkte der Aktivitäten zu Beginn noch im Ruhrgebiet, so wurden in den zwanziger Jahren auch die ländlichen Bereiche in die Organisation einbezogen. 1925 gab es bereits 27 Orts- und Kreiscaritasverbände und 300 Orts-Caritasausschüsse in den Pfarrgemeinden. 

 

Nationalsozialismus: Schikanen und mutiger Protest

In der Zeit des Nationalsozialismus war die Arbeit der Caritas durch das Konkordat von 1933 zwar theoretisch abgesichert, doch in der Praxis durch zahlreiche Schikanen beschnitten. Diözesan-Caritasdirektor Rudolf Dietrich wurde wie viele andere caritativ tätige Priester und Laien immer wieder verhört bzw. in Haft genommen. Ihre Vergehen reichten vom verbotenen Versand so genannter „Liebespäckchen“ an Pfarrangehörige in der Wehrmacht bis zur Evakuierung von ausgebombten Städtern, was der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt vorbehalten war. Oft genügte schon eine traditionelle Caritassammlung in der Pfarrei, um wegen Verstoßes gegen das Sammlungsgesetz belangt zu werden.

Gegen die Zwangssterilisierung so genannter Erbgeschädigter regte sich Widerstand innerhalb der katholischen Schwesternschaft des Erzbistums Paderborn. Zahlreiche Dienstniederlegungen und -verweigerungen sind belegt. Gegen die „Euthanasie unwerten Lebens“ protestierte 1941 Weihbischof Augustinus Philipp Baumann in einem Schreiben an den Landeshauptmann in Münster: „Nachrichten zufolge, deren Richtigkeit nicht bezweifelt werden kann, sind aus den Anstalten für Geisteskranke und Schwachsinnige im Bereich der Erzdiözese Paderborn, (in) Marsberg, Warstein und Eickelborn, bald an 2000 Kranke, Kinder und Erwachsene zur Tötung und Einäscherung abtransportiert worden. Im Namen des fünften Gebotes, das bisher die Grundlage der Strafgesetzgebung aller Kulturstaaten bildete, im Namen der Menschlichkeit, deren fundamentale Gesetze hier grauenvoll mit Füßen getreten werden, im Namen der unschuldigen Opfer und ihrer Angehörigen, erhebe ich Einspruch gegen dieses systematische Massenmorden.“

Die Nachkriegszeit: Pionierleistungen 

1948: Eine Mitarbeiterin der Bahnhofsmission versorgt Flüchtlinge am Hauptbahnhof in Hamm.
1948: Eine Mitarbeiterin der
Bahnhofsmission versorgt Flüchtlinge am
Hauptbahnhof in Hamm.
(Foto: Walter Nies)

Zahlreiche Einzelpersonen prägten durch Pionierleistungen die Caritasarbeit der Nachkriegsjahre: Die Priester Wilhelm Trennert (1909-1972) und Paul Kewitsch (1909-1997) schufen ab Oktober 1945 mit der Katholischen Osthilfe im Erzbistum Paderborn ein Hilfswerk, dem Tausende Heimatvertriebene ihre Integration verdanken sollten. Insgesamt nahm das Erzbistum Paderborn 730 000 heimatvertriebene Katholiken auf. Die Flüchtlinge machten rund ein Drittel der ansässigen katholischen Bevölkerung aus.

Berna Klasen (1920 - 2003) baute die katholische Mädchensozialarbeit und die Bahnhofsmissionen wieder auf. Maria Reichmann (1922 - 2007) prägte die Entwicklung der ehrenamtlichen Caritasarbeit in den Gemeinden. Eine nachhaltige Stärkung der gemeindlichen Caritas bewirkte die Werler Diözesansynode von 1948. Im damaligen Ostteil des Bistums geriet der Caritasverband Halle-Merseburg ab März 1948 in die Schlagzeilen. Während der Berlin-Blockade verteilte der Verband alle ausländischen Hilfssendungen in die gesamte damalige Ostzone. In Erwitte (Kreis Soest) hatte die Caritas-Kriegsgefangenenhilfe ihren Sitz. Unter Leitung von Prälat Franz Wüstefeld (1913-2006) verschickte sie bis 1955 über 40.000 Pakete an deutsche Kriegsgefangene in Russland.

Der Ausbau einer beruflichen Caritas deutete sich bereits 1948 an, als in Bochum, damals Erzbistum Paderborn, die erste Ausbildungsstätte für Familienpflege in Deutschland eröffnet wurde. Mit der Ankunft der ersten Gastarbeiter erfolgte ab 1956 der Aufbau der Ausländersozialdienste.

Schwarz/weiß Fotografie von Prälat Paul Kewitsch beim Herausgeben von Lebensmittelpacketen
Prälat Paul Kewitsch
(1909-1997) setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg für die Integration vonVertriebenen
ein. 
Hier verteilt er Care-Pakete an
Bedürftige in Lippstadt.
  (Foto: Walter Nies)

 

Die Gegenwart: Ausbau des Sozialstaates und Standortbestimmung

In den sechziger und siebziger Jahren ermöglichte das Bundessozialhilfegesetz (Vorrang freier Träger) einen beträchtlichen Ausbau der Caritas-Dienste und –Einrichtungen. Gleichzeitig erlebte die ehrenamtliche Caritas in den Kirchengemeinden einen beispiellosen Aufschwung. Ende der sechziger Jahre erfolgte die Neuordnung der verbandlichen Caritas in der Rechtsform eingetragener Vereine. Gründe waren u. a. die gestiegenen Mitarbeiterzahlen und der Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand. Die siebziger und achtziger Jahre waren geprägt durch die weitere Ausdifferenzierung der institutionellen Caritas. Sozialstationen und Beratungsstellen z. B. für Erziehungsfragen, Schwangere und Überschuldete wurden aufgebaut. Der Caritasverband erlebte nach dieser Phase der Expansion einen Prozess der Standortbestimmung. In den neunziger Jahren wurden Leitbilder erstellt, zunächst auf der Ebene des Deutschen Caritasverbandes, 1998 auch im Caritasverband für das Erzbistum Paderborn.

Caritas-Demonstration für ein sozialgerechtes Nordrhein-Westfalen
Anwaltschaft konkret:
Demonstration der NRW-Caritas gegen
Sozialabbau, Düsseldorf 2003.
(Foto: Pohl) 

Mehr denn je stellt sich zurzeit die Frage nach dem besonderen Profil von Caritas. Was unterscheiden katholische Altenheime, Krankenhäuser und andere Einrichtungen von anderen Anbietern? Welche besonderen Qualitätsmerkmale verbinden sich mit einer kirchlichen Trägerschaft? Wichtige Fragen, denn auch Caritas-Einrichtungen agieren nicht im luftleeren Raum. Sie müssen sich wie alle sozialen Dienste den neuen Bedingungen des sich verändernden Sozialstaates stellen. Dazu gehören knappe öffentliche Sozialbudgets und ein künstlich geschaffener Markt für soziale Dienstleistungen. Neben ihrer Rolle als sozialer Dienstleister wird für die Caritas eine andere Aufgabe immer wichtiger: Die Stimme zu erheben, wenn es darum geht, sozialpolitische Korrekturen einzufordern.

 


 

„Caritas-Pioniere“ im Erzbistum Paderborn

Tausende von Frauen und Männern haben die Caritasarbeit im Erzbistum Paderborn in den letzten 150 Jahren aufgebaut. Die meisten bleiben ungenannt, tauchen nicht in den Choniken auf. Doch auf einige Namen kann nicht verzichtet werden. Zu denen, die im 19. und frühen 20 Jahrhundert die Caritas auch über die Grenzen des Bistums nachhaltig geprägt haben, gehören unter anderem: 

 

 

Schwarz/weiß Portraitaufnahme von Pauline von Mallinckrodt, 1839
Pauline von Mallinckrodt
(1817-1881)

Pauline von Mallinckrodt (1817-1881)

Ab 1839 organisierte sie die Pflege und Versorgung von mittellosen Kranken in Paderborn. Besonders am Herzen liegt ihr das Schicksal von blinden und sehbehinderten Kindern. 1849 gründete sie die Genossenschaft der Schwestern der Christlichen Liebe. 1985 sprach sie die katholische Kirche selig.

 


 

Schwarz/weiß Portraitaufnahme von Maria Clara Pfänder
Maria Clara Pfänder
(1827-1882)

Maria Clara Pfänder (1827-1882)

Um beides, Caritas und Anbetung zu verbinden, gründete die gebürtige Sauerländerin 1860 in Olpe die Gemeinschaft der Schwestern des heiligen Franziskus, Töchter der heiligen Herzen Jesu und Mariä. 1863 wurde das Mutterhaus nach Salzkotten verlegt. Immerwährende Anbetung, Krankenpflege und Erziehung sind die Ziele der Ordensgemeinschaft.

 


 

Schwarz/weiß Portraitaufnamhe von Maria Theresia Bonzel (1830- 1921)
Maria Theresia Bonzel
(1830-1905)

Maria Theresia Bonzel (1830-1905)

Sie gehörte zu den jungen Frauen, die 1859 in ihrem Heimatort Olpe der Gemeinschaft Maria Clara Pfänders beitraten. Als das Mutterhaus nach Salzkotten verlegt wurde, blieb sie als Oberin einer Gruppe von sechs Schwestern zurück. 1865 wird die Gemeinschaft unter dem Namen „Arme Franziskanerinnen von der Ewigen Anbetung“ selbständig.

 


 

Schwarz/weiß Portraitaufnamhe von Franz Hitze
Franz Hitze
(1851- 1921)

Franz Hitze (1851-1921)

Der Priester und Professor aus Hanemicke bei Olpe entwickelte die katholische Soziallehre zu einer ernstzunehmenden Antwort auf die „soziale Frage“ weiter. Er gehörte zu den Gründungsvätern des Deutschen Caritasverbandes (1897) und des Volksvereins (1890). Als Sozialpolitiker setzte er sich für die Krankenversicherung und den Arbeiterschutz ein.

 


 

Schwarz/weiß Portraitaufnamhe von Agnes Neuhaus
Agnes Neuhaus
(1854- 1944)

Agnes Neuhaus (1854-1944)

Die Dortmunderin organisierte Schutz und Unterstützung für die Prostituierten in der Stadt. 1899 gründete sie den Katholischen Fürsorgeverein für Frauen, Mädchen und Kinder (heute: Sozialdienst kath. Frauen). In der Weimarer Republik war sie an der Fürsorge-Gesetzgebung für Kinder und Jugendliche beteiligt.

 


 

  

Schwarz/weiß Portraitaufnahme von Wilhelm Liese
Wilhelm Liese
(1876-1956)

Wilhelm Liese (1876-1956)

Der Priester aus Würdinghausen im Kreis Olpe war einer der ersten „Caritas-Wissenschaftler“. Als enger Mitarbeiter von Prälat Lorenz Werthmann, Gründer des Deutschen Caritasverbandes, baute er die Caritas-Bibliothek in Freiburg auf und war Redakteur der Zeitschrift „Caritas“.

 

 


 

 

Schwarz/weiß Portraitaufnahme von Christian Bartels
Christian Bartels
(1856-1939)

Christian Bartels (1856-1939)

Der „westfälische Don Bosco“ aus Altenbeken kümmerte sich seit 1889 als Pfarrer in Bielefeld um verwahrloste Kinder und Jugendliche. 1894 war er Mitbegründer des katholischen Erziehungsvereins im Bistum Paderborn (heute: Verein für Jugendhilfe). 1915 wurde er erster Vorsitzender des Caritasverbandes für das Bistum Paderborn.