Pflegende Angehörige haben viel gelernt und schonen jetzt auch ihre eigene Gesundheit
Kursus zeigte Angehörigen, wie sie und ihre pflegebedürftigen Verwandten von einer besseren Bewegungskompetenz profitieren
Wer seinen
pflegebedürftigen Ehepartner oder seine Eltern zuhause pflegt, ist nicht nur
zeitlich sehr eingespannt, sondern kommt oft auch an seine körperlichen Grenzen,
wenn es etwa darum geht, den Angehörigen aus dem Bett in einen Rollstuhl zu
setzen. Ein Aha-Erlebnis, dass es mit bestimmten Bewegungsabläufen für alle
viel einfacher geht, hatten zehn pflegende Angehörige, die heute (17.9.2009) den
letzten von sechs Nachmittagen des „Grundkurses Kinästhetik“ der Caritas Bremen
und der BARMER-Krankenversicherung absolvierten. Ziel der Schulung im
Altenzentrum St. Michael war es, den Pflegealltag zu erleichtern, indem die
Teilnehmer lernten ihre Bewegungen besser wahrzunehmen, um so neue
Unterstützungsangebote zu entdecken und einzuüben.
Durch die vielen praktischen Selbst-Erfahrungen wurde den Teilnehmern sehr
schnell bewusst, dass eine effektive Bewegungsunterstützung schweres Heben und
Tragen nicht mehr notwenig macht. Das Erleben aus der Sicht eines Pflegebedürftigen
wurde durch die Übernahme seiner Rolle deutlich: „Erst wenn ich selber einmal beispielsweise
in der Situation war, mit viel Kraft statt etwa mit guter Technik umgebettet zu
werden, weiß ich, wie unterschiedlich es sich anfühlt und wie wichtig es für
beide ist, Bewegungsabläufe zu verbessern“, sagt Trainerin Rita Wolf. Die
Erfahrungen aus ihrer Tätigkeit als examinierte Krankenschwester und als
Lehrerin für Pflegekräfte machen den Kurs sehr anschaulich.
„Viele Menschen denken, man muss bei Belastungen stabil und steif stehen. Dabei
sollte die Pflegesituation wie ein Tanz gestaltet werden: erst wenn ich mich
mit dem anderen bewege, gelingt der Tanz, ohne dass ich meine Wirbelsäule
verdrehe.“ Damit spricht Rita Wolf einen weiteren wichtigen Aspekt für die
häusliche Pflege an: Nur wer auch auf seine eigene Gesundheit achtet, kann weiterhin
den Partner zuhause pflegen. „Es ist darum wichtig, auch immer an sich selbst
zu denken“, sagt Susanne Büssenschütt, die für die Caritas die
Angehörigen-Angebote koordiniert. „Durch die Schulung lernen unsere Teilnehmer,
wie viel einfacher der Alltag wird, wenn ich das Körpergewicht anders verlagere
und es mir und dem anderen damit leichter mache. Alle Beteiligten profitieren also
gleichermaßen von einer besseren Bewegungskompetenz.“
Wer Interesse an dem nächsten kostenlosen Kinästhetik-Grundkurs hat oder an einer Schulung zuhause (deren Kosten im Allgemeinen komplett von den Krankenkassen übernommen werden), kann sich durch einen Anruf bei Caritas-Mitarbeiterin Susanne Büssenschütt unter 0421/ 3 35 73 - 162 oder s.buessenschuett@caritas-bremen.de auf eine Warteliste setzen lassen.